Für viele Menschen ist Glaube theoretisch. Glaubensvermittlung geschieht oft durch Worte. Das Wort soll oder kann berühren, kann neue Erfahrungen oder Einsichten eröffnen. In vielen Heilungsgeschichten der Bibel erfahren wir jedoch, dass neben dem erlösenden, heilenden Wort auch eine Geste, eine Berührung oder Körpererfahrung stattfand. Hier ist Theorie und Praxis verbunden. Glaube wird spürbar, erlebbar. Gott ist nicht nur für den Kopf, sondern auch oder sogar vor allem etwas für das Herz, unser Gefühl und für den ganzen Leib.
Anselm Grün schreibt in seinem kleinen Band über Gebetsgebärden (Münsterschwarzacher Kleinschriften 46) schon in der Einführung: „Der Glaube muss vom Kopf in den Leib rutschen, dann erfasst er den ganzen Menschen, dann erst können wir sagen, dass wir auch mit dem Herzen glauben, mit der innersten Mitte unserer Person.“ (Seite 7) Und weiter auf Seite 9: „Im Leib begegne ich nicht nur mir selbst, sondern auch Gott. Unser Leib ist entscheidender Ort unserer Gottesbegegnung. Und er ist ein wichtiger Partner nicht nur auf unserem Weg menschlicher Reifung, sondern auch auf unserem geistlichen Weg, auf unserem Weg zu Gott.“
Qigong Dancing kann ein solcher Weg sein, damit Glaube erfahrbar wird, also „vom Kopf in den Leib rutscht“. Viele Übungen, die wir aus dem Qigong kennen, finden wir in abgewandelter Form als Körpergebet oder als heilende Handlung (Segensgebärde z.B.) in der kirchlichen Praxis und sogar in der Bibel (besonders bei den Heilungsgeschichten Jesu) wieder.
Der freie Tanz, Ausdruck unserer ureigensten Persönlichkeit ist auch ein individueller Zugang zu den heilenden Kräften, die in uns und um uns herum existieren. Der Tanz als Ausdruck der eigenen Stimmung, aber auch um „göttliche Energie“ aufzunehmen, ist uralt. Und auch der Tanz als Lob- und Anbetungstanz ist in allen Kulturen seit Beginn der Menschheit vorhanden. Vielleicht ist es längst Zeit, in unseren Kirchen wieder zu tanzen, um mit dem Körper zu spüren, wie es uns geht und wie sehr uns Gottes Wort erfassen und bewegen kann. Dann ist Glaube nicht mehr theoretisch.
Und schon der Kirchenvater Augustinus erkannte: „Mensch, lerne zu tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen!“